Mittwoch, Mai 31, 2006

22.5.06

[Durkheims Differenzierungstheorie]

- sie ist auch eine Theorie gesellschaftlicher Pathologie
-- Pathologie}- können in der Soziologie auch wertfrei beschrieben werden (Weber ähnlich / auch wenn die Soziologie dazu dienen kann Pathologien zu bändigen) (Arzt fällt auch kein Werturteil über Krankheit, sondern sie ist für ihn ein Fakt)

- Durkheim: Markt unter staatliche Begrenzungen setzen
-- ex ante (?) Betrachtung: Wie kann man Menschen zu Solidarität erziehen
-- in ante (?) Betrachtung: Wie kann man durch Staat die Ausschläge des Marktes kontrollieren

[Selbstmordtheorie]

-Wie hängt die Pathologienlehre mit Typenlehre zusammen?

-> Altruistischer Selbstmord (kommt vor allem in segmentären Ges. vor): - zu große Integration in Gruppe; Opfertod / kein legitimer Egoismus --> bspw. Armee; -> Anomie auch in primitiven Ges.

-> Anomischer Selbstmord: Krisenanfälligkeit der Moderne nimmt dem Individuen die Möglichkeit Normen zu verinnerlichen }--> Orientierungslosigkeit / Pluralisierung von Normen stattet den Einzelnen nicht mehr mit Verpflichtungsbindungen aus.´

}- für Durkheim wirkt das gefährlich, weil der Mensch auf Begrenzung von Trieben durch Normen angewiesen ist }-größte Befriedigungen in einzelnen Bedürfnissen, führen zu Unbefriedigung im Ganzen
--> Normen ermöglichen erst erreichen von Befriedigung. Sie müssten solide und widerspruchsfrei sozialisiert werden, sowie eine gewisse Konsistenz durch Angepasstheit an Situationen aufweisen. --> Problem: zu schneller, zu rascher Wandel + zu große Norm Divergenz zwischen verschiedenen präsenten Gruppen

-> Egoistischer Selbstmord (für moderne Ges. besonders wichtig!): ("Egoismus als Pflicht" ist eine von der modernen Ges. auferlegte Tugend) - Risiko zu scheitern wächst.
--> Protestantische Ethik: Jeder muss seine Gnade selbst (ohne die Hilfe eines Beichtvaters) erlangen (u. kann es nicht schaffen)
--> soziale Kohäsion (niedrige -> führt eher zu Selbstmord) variiert mit Gemeindegröße
[Beichte in der Moderne]: bspw. durch Psychoanalyse}- Vereinzelung auffangen durch neue Form der Rückbindung

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[Simmel] und seine Differenzierungstheorie

Ausgangspunkt: Arbeitsteilung

- Einzelner verkehrt ständig in diversen Gruppen; keine Dauermitgliedschaft über gesamte Zeit; Engagement wird dosiert
-- daraus entsteht das Individuum (-geht in keiner Gruppe mehr voll auf # keine Massenges. -> sondern: Masse von Individuen)
- Kreuzung von sozialen Kreisen -> Rollen-/Mitgliedschaftskombination für jeden Einzelnen völlig individuell

[Erwartungen werden zum persönlichen Sondergut]

- Man wird für Sanktionen anderer nicht vollständig erreichbar
- Wahlfreiheit und Vermehrung von Abhängigkeiten -> gleichzeitig!!
- Anonymisierung von Abhängigkeiten
- Vertrauen benötigt -> Systemvertrauen / Personenvertrauen in Funktionen

[Abhängigkeit bspw. davon, dass der Zug pünktlich fährt, aber wer dafür verantwortlich ist, weiß man nicht]

- "wählen können" von wem man abhängig wird, aber man verliert dann bzgl. des einmal gewählten schnell den Durchblick
- Intimbeziehungen: Sonderklasse von Vertrauen; aber auch scho selbst gewählt
- totale Abhängigkeit existiert nicht mehr -> Gruppen und Abhängigkeiten werden funktional spezifisch
- Rollen werden meist isoliert voneinander ausgelöst
- Isolierung soll Konflikte vermeiden ("Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß") --> müssen dafür mindestens zeitlich aufeinander abgestimmt sein u. es muss ein Gesamtgesellschaftliches System der Koordination geben

[Der eine geht Nachts zum Beten, der andere zum Gruppensex - Hauptsache, beide sind im Punkt8 auf der Arbeit]

- Zeit als Integrationsfunktion --> Manövrierspielraum erhöht sich
- extreme Disziplinierung oft gefordert, auch bzgl. des Umschaltens
- Probleme gab es in Europa vor allem mit Religion: Religion verstand sich als "totale Rolle", aber auch sie ist als Freizeitrolle organisiert. Wenn sie das nicht ist, ergibt sich eine Konfrontation mit bestimmten Voraussetzungen und Ansprüchen moderner Ges.

Donnerstag, Mai 25, 2006

16.5.06

Theorien sozialer Differenzierung

[Durkheim]

Typenlehre -> wenn man einen Typus hat, kann man Abweichungen als Anomalien beschreiben

Pathologie -> unnormale, überpräsente Anomalie

(1) [Segmentäre Differenzierung] :

(bei Habermas: Vorhochmoderne; bei Tenbruck: primitive Ges.)

-> Typologische Einfachheit
-> "Horde" als Urelement
--> "Horde" meint mehr od. minder große Familie - Sie kann vitale Funktionen sicheren

-> [einfach polysegmentäre Ges.]
-> [einfach zusammengesetzte polysegmentäre Ges.]
-> [doppelt zusammengesetzte polysegmentäre Ges.]

<--> Wachstum durch Zahl der strukturellen Einheiten; Elemente der Struktur bleiben aber gleich

-> Ges. wächst durch Zusammenfügung von Gruppen u. kann sich auch wieder in überlebensfähige Gruppen aufspalten

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(2) [Ges. mit mechanischer und organischer Solidarität]

[mechanische Solidarität] -> primär bei segmentären Ges.
- Gruppen haben gemeinsames Kollektivbewusstsein -> dominant gegenüber, einem auch individuell vorkommenden Bewusstseins }- Moral u. Normensystem {-wird bei Freud "Über-Ich" heißen)}-wirken auf Individuen zwingend, wie ein äußerer Druck, sich normkonform zu verhalten

Durch Rituale wie mit Verbrechen umgegangen wird, restituiert sich die Norm. Verbrechen sind geradezu nötig, um die Norm wachzuhalten.

- Transzendentale Sanktionierungsmacht: Religion}-ist die nicht-erkannte Ges. selbst
--> Götter werden Gruppeneigenschaften zugeschrieben

[Das "Über-Ich" bei Freud ist auch Teil des Bewusstseins]

- Ges. ist ein innerer Tatbestand -> sofern sie als tragbarer Gegenstand im Bewusstsein des Ges.mitglieder immer präsent ist
- Solidarität zwischen Ges. ist mechanischer Art -> gleiche Normauffassungen halten die Individuen beieinander

[organische Solidarität] -> Ges.mitglieder sind aufeinander angewiesen -> Mitglieder stehen unter Ergänzungszwang

[Ein "Bäcker" braucht jemanden, der "Fleischer" ist]

- es gibt Arbeitsteilung und Geldverkehr
- Organische Solidarität # Ges. ist ein Organismus}- das meint Durkheim definitiv nicht

- Arbeitsteilung (größere Verschiedenheit) erzwingt Solidarität

[Adam Smith: Eigennützige Menschen erzwingen durch eigennütziges Verhalten altruistisches Verhalten; Durkheim: pure Angewiesenheit führt NICHT schon zu Solidarität]

- Es muss einen Verbrüderlichungsgedanken geben, der die Verschiedenheit der Arbeitsteilung überbrücken soll
--> Staat und Nation sollen die Unterschiede vergessen machen / "Kitt der die verschiedenen Teile zusammenhält"

- Schwächung des Kollektivbewusstseins
- Individuelle Varianz wächst notgedrungen

-->
- Ersetzung repressiver Rechtsformen durch kooperative Formen des Rechts
- restriktive Elemente des Rechts gewinnen an Bedeutung
- Verträge statt Sanktionen
- Wiederherstellung von Gleichgewichten statt Strafen
<-- }- bzgl. segmentärer Ges. schwer empirisch zu belegen [René Girard: in fast allen archaischen Ges. wird versucht Bestrafen zu vermeiden um Kettenreaktionen zu verhindern] statt Vergleich: segmentärer vs. moderne Ges. .... besser: moderne vs. hochmoderne Ges. (für hochmod. Ges. fehlt Durkheim aber ein Begriff) - Kollektivbewusstsein führt zu repressiven Sanktionen gegenüber Verletzungen des Kollektivbewusstseins - für moderne Ges. gilt nicht "Konkurrenzanstieg", sondern "Abbau von Konkurrenz durch Arbeitsteilung" --> wenn alle nur gleiches können, bildet sich schneller Hierarchie - wenn jeder was anderes kann, wird Konkurrenz vermieden u. wird Solidarität gestiftet, weil neue Abhängigkeitsformen vorhanden sind)

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(3) [Integration und Differenzierung]

[Integration] -> bspw. über Markt (egoistische Gesinnung wird in altruistische Taten umgewandelt)
--> setzt natürlich voraus, dass sich alle an die (zu sichernden) Spielregeln halten}- der Staat wird hier als Regelungsinstanz begriffen
- Staat stellt durch Liebe zur Nation, Kollektivbewusstsein her, in dem Menschen nur noch als Menschen (u. sonst sind sie völlig verschieden) integriert sind

- Nation enthält auch Sprengsätze, bspw. gegenüber anderen Nationen
- Staat erzeugt überindividuelle, überfamiliäre Solidaritäten
- Durkheim glaubt nicht an eine globale Ersatzinstanz des Staates durch Menschenrechte / Humanistische Gesinnung
- Moment von Gemeinschaft in Betrieben und Berufsgenossenschaften erzeugen. Diese könnten die pathologischen Anomien der Moderne (Egozentrik etc.) eindämmen
- moderne Pathologien sind "noch nicht gegebene Anpassung an sehr schnell wachsende neue Prozesse"
- sie sind, nach Durkheim, KEINE Bestandteile der Moderne, keine notwendige Folge von sozialer Differenzierung
- Durkheim will schrittweises Einfinden der Ges. in neue, erscheinende Formen (vs. Marx: Kapitalismus muss überwunden werden)

Sonntag, Mai 21, 2006

15.5.06

Letzteinheit: (4) Kommunikation

- es bilden sich Subsysteme, die auf bestimmte SubKommunikationen aufbauen

Was ist Kommunikation?

- bei Kommunikation wird nichts transportiert (kein physisches Substrat / Information wird nicht abgegeben oder verloren)
- vor dem Hintergrund, dass etwas so od. so sein kann, wird eine Möglichkeit aus dem Horizont der Erwartungen ausgewählt
--> Informationen spielen sich in einem Horizont von Erwartungen ab und sorgen hier für Überraschungen

["Es regnet" kann als Info nur Sinn haben, wenn etwaige andere Möglichkeiten bekannt sind)

- Information immer vor einem Horizont von [Vorwissen] sehen
- Luhmann: Kommunikation --> Zusammentreffen von Information-Mitteilung-Verstehen
--> Verarbeitung der Differenz Mitteilung/Information
--> min. 2Beteiligte: Absender = Alter; Empfänger= Ego

Soziale Systeme = Kommunikation --> Kommunikation gibt es auch nur in Sozialen Systemen

2a) Differenz zwischen Mitteilung und Verstehen

- Angesprochener muss zwischen Information und Mitteilung unterscheiden können

[Bsp: "Die Vögel singen" -> 1. Oh ja!; 2. Hör ich doch! --> Aber warum sagst du mir das?]

- Mitteilungsaspekt macht auf Selektion Alter`s aufmerksam
--> er hat sich entschieden, dieses und nichts anderes zu sagen
---> Ego unterstellt Alter Selektionskompetenz --> Mitteilung = Auswahl
- Sender -> Auswählender zwischen verschiedenen Informationen u. Empfänger macht ihn dafür verantwortlich

!! WARUM wird etwas bestimmtes gesendet? !!

- Ego interpretiert die Mitteilung als Handlung des Mitteilenden, während die Information anderweitig zugerechnet wird

2.2) Differenz Mitteilung - Verstehen

Kommunikation -> Mitteilung muss als Mitteilung verstanden werden
Verstehen -> schließt Kommunikation nicht nur ab, sondern begründet Kommunikation erst

- Verstehen -> Ego unterstellt Mitteilung u. Mitteilungsabsicht }-es kommt hier nicht auf das "richtige Verstehen" drauf an (Missverstehen ist mitgemeint)

[Es kann vorkommen, dass Ego Mitteilungsabsicht unterstellt, obwohl Alter gar nicht daran gedacht hat]

- interessant für Ego auch immer, was Alter mitteilt ohne es konkret zu sagen

2c) Falsche Mitteilungsabsicht

dass Verstehen u. (et)was Verstehen

dass Verstehen: richtig vs. falsch
(et)was verstehen: anspruchsvoller / vorraussetzungsvoller }-unwahrscheinlicher

-Verstehensfiktion reicht zum Kommunizieren aus
- es kann in Beziehung durchaus die ganze Zeit um das Aufrechterhalten von Fiktionen gehen }-solange keine drastischen Falsifikationen eintreten wird die Kommunikation weiter fortgesetzt

[Ehepartner unterstellen sich gegenseitig Gleichheit, unterscheiden sich bei näherer Betrachtung doch im meisten und leben trotzdem gut zusammen. - Prof. Hahn verweist als Beispiellektüre auf Marcel Proust)

- Fortsetzung der Kommunikation trotz Störung möglich: bspw. durch Nachfragen

[Nach 20Jahren bekommt der treue Mann raus, dass seine Frau ihn betrügt. Er kann jetzt nicht wie gewohnt anschließen, aber er kann fragen: "Schatz, wie ist das möglich? Warum?")

- Die Falsifikation / die Enttäuschung muss nicht wahrer sein, als die vorausgegangene Täuschung

- Erklärungen: Fiktionen werden durch Fiktionen erzeugt.
- Grenzen: zu massive Störungen führen zu Kommunikationsabbruch

[Schizophrenie als Unmöglichkeit Verstehensfiktionen zu bilden. Bsp.: Oma wirf mit Brotmesser nach Kind. Dabei verfehlt sie dessen Kopf nur haarscharf. Daraufhin die Mutter: "Schau Fritzchen wie die Oma dich doll lieb hat!")

Soziale Systeme: An Kommunikationen müssen weitere Kommunikationen anschließen Die aktuelle Kommunikation erinnert noch vorangegangene und erwartet bereits zukünftige.

[Verweis auf Husserls Phänomenologie -> Protentionen und Retentionen ]

- Kommunikation ist aber radikale Gegenwart
--> Zukunft und Vergangenheit sind lediglich vergegenwärtigt
- Dissipative Strukturen

- {Ego - Alter} -- wechselt ständig -> dieser Switch ermöglicht erst Systembildung

- Personale Besetzung von Ego / Alter muss ständig wechseln können
- Ego / Alter müssen aber nicht unbedingt Personen sein, sondern auch Systeme

[Eine Gerichtsentscheidung ist auch eine Gerichtsentscheidung wenn man Personen nicht kennt]

Freitag, Mai 05, 2006

2.5.06

Vorlesung beginnt mit der Beantwortung eines Briefes aus dem "Hahn`schen Kummerkasten":

(1.)Frage: Werden bei Beschreibungen primitiver Ges.(ellschaften), Spezialisierungen nicht einfach nur unter den Tisch gekehrt? --> Prof. Hahn: Es stimmt, dass es zu Typisierungen kommen kann. Spezialisierungen die es in solchen Ges. gibt/gab sind aber nicht organisatorisch herausgebildet. Bsp. "Schamane" ist nicht wie "Priester" ausdifferenziert. Zudem gibt es wohl tatsächlich erheblich weniger Spezialisierungen. Die Frage die sich dennoch stellen kann lautet: "In welchen vorhandenen Differenzierungen lagert sich denn stratifikatorische Differenz ab?"

(2.)Frage: Gibt es nicht noch andere Entfremdungskonzepte als die in der letzten Vorlesung erwähnten? --> Prof. Hahn: Sicher gibt es die. Entfremdungskonzept geht zunächst von der Annahme aus, dass es eine Differenz zwischen dem Wissen Einzelner und der gesamten gesellschaftlichen Komplexität gibt. Andere Entfremdungsbegriffe könnten sein: Religiöse Entfremdung (Augustinus: Erbsünde eine Entfremdungsform;-> Sünde macht den Menschen, als Ebenbild Gottes, sich selbst fremd); Rousseau: Entfremdung führt zu Zerrissenheit unter dem Kontext von Herrschaft; Moderne Entfremdung ist oft psychologische Entfremdung (Geisteskrankheit)erklärt.

Für die Vorlesung wichtig: Folgen von Differenzierungsfolgen
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Fortsetzung "Letzteinheit von Systemen"...

(2.) Handlungen (siehe Post 25.4.2006)

- Da der Mensch in verschiedenen sozialen Gruppen als Personen {-führt zu Entscheidungsoptionen was wo eingebracht wird) vorkommt --> [RUMPELSTILZCHEN PHÄNOMEN des modernen Menschen: Ach wie gut das keiner weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß --> Ach wie gut das keiner weiß, wer ich (wirklich) bin}was angenehme und unangenehme Folgen mit sich bringen kann)
- "Dauernde Gruppen: dissipative Struktur der Handlungszeit" wurde aus Kompliziertheitsgründen vertagt

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(3.) Erwartungen als Letzteinheit

- keine physische Identität bei Handlungen, die diese als solche identifiziert - sondern Bedeutungen
- Handlungen sind bedeutungstechnisch vorgedeutet
- In bestimmten Situationen erwarten wir bestimmte Handlungen (-> heißt nicht, dass diese auch eintreffen)
- Aufbau aller Handlungsstrukturen laufen über Erwartungen
--> Handlungen als Letzteinheit ist schon deshalb schwierig, weil die gleiche Handlung in ungleichen Kontexten ungleiche Bedeutungen angibt

[Wenn Prof. Hahn in seine Vorlesung in seiner Vorlesung im Adamskostüm erscheint, hat diese Handlung eine vollkommen andere Bedeutung, als wenn er so ge-/entkleidet am Strand von Sylt aufkreuzt]

- Alles was wir tun, tun wir in der Gegenwart - in der Vergangenheit haben wir zwar auch gehandelt, aber da war diese noch Gegenwart (Vergangenheit wird über Gedächtnis erinnert; Schrift entlastet vom Bedarf an psychischen Gedächtnis)

[Luhmann: Soziales Gedächtnis muss nicht extra aktiv aktiviert werden um zu erinnern]

- Zukunft ist als Erwartungsraum gegenwärtig
--> Manche erwartete Zukünfte treten nicht ein - Manche Zukünfte die nicht erwartet werden treten allerdings ein
--> Struktur wird in Handlungen nur über Erwartungen gebildet --> Erwartung ist also die kleinste Einheit im Zusammenhang mit Strukturbildung

Rolle -> Zusammenhang von Handeln in Kontext bestimmter Erwartungen

- Rollen sind durch reziproke Erwartungssysteme gebildet
--> Erwartungen an andere Rolleninhaber sind Teil der eigenen Rolle (Studenten erwarten das Prof.en ihre Vorlesung halten)
--> Netz von Erwartungserwartungen bilden Strukturen

- Erleben wird auch erwartet
--> nicht nur äußerliches, sondern auch inneres Erleben wird erwartet

[von Müttern wird nicht nur erwartet, dass sie ihre Kinder nicht schlagen, sondern auch, dass sie sie lieben (und dies in Taten zeigen)]

[in Liebesbeziehungen erwartet man nicht nur gegenseitiges sexuelles Zugriffsmonopol, sondern auch Liebe/Zuneigung. <-> Wird z.B. im prostitutiven Kontext nicht erwartet. Hier wird Liebe durch Zahlung ersetzt u. Erwartungen durch selbige gesteuert]

-Erwartungen werden schon permanent gehegt -> selbst in Erfahrungsfreien Räumen



(t0) 1 Handelt -> 2 Beobachtet 1 beim Handeln -> 1 weiß das er von 2 beobachtet wird
(t1) binäre Codierung der Erwartung -> wird sich die Erwartung, die sich aus der Beobachtung von t0 ergibt erfüllt (stabilisiert) oder nicht erfüllt (enttäuscht)
--> Die Fülle der unendlichen Möglichkeiten der vorkommen könnenden Handlung wird reduziert auf das binäre Schema Erwartung erüllt\Erwartung enttäuscht

-was passiert bei Enttäuschung?
--> (a) Akzeptieren, dass man sich getäuscht hat -> "lernen" -> Erwartungen werden fallengelassen
--> (b) "contra faktische Stabilisierung" -> halte an Erwartung fest u. schreibe dem Phänomen "Fehlverhalten" zu

-> bei Erfüllung: Stabilisierung

- Erwartungen von Erwartungserwartungen so bedeutsam wegen der bestehenden binären Alternativen u. so bildet sich darüber Struktur

Freitag, April 28, 2006

Blog Direkt

die erste Semesterwoche ist rum...

die Vorlesung hat spanned begonnen...

die virtuelle Technik macht Faxen... deswegen KEIN BLOCKSATZ, KEINE OPTIMALE BEARBEITUNG DER TEXTE, LÄNGERE ZEITRÄUME BIS ZUR VERÖFFENTLICHUNG...

GUTE BESSERUNG, BLOGGER.COM!!!

...weiter prozessiert wird trotzdem... lach


Nachtrag ( 22.6.06 ): Die Probleme sind inzwischen behoben und ich werde die bisherigen Posts überarbeiten

in this way... go on...

Donnerstag, April 27, 2006

25.4.06

Retrospective:

Gruppen vs. Sinnprovinzen

- essentielle Gleichheit im Stand, aber Differenz zwischen Ständen
- In einfachereren Gesellschaften (Ges.) ist praktisch jeder Spezialist für die gesamte Kultur (Ausnahmen sind sehr speziell: Alte und Junge wissen unterschiedliches; Frauen wissen anderes als Männer)
- Bis ins 16Jh. existieren noch Universalgenies (auch das schon zu dem Zeitpunkt Ammenmärchen sind) --> In der Gegenwart aber verschärft sich das Spezialistentum
- Der Einzelne überblickt nur einen Teil der gesamten Kultur heutzutage --> Bemerkt wurde das im 18Jh. bspw. von Rosseau: "entfremdete Menschen" --> d.h. die gesamte Ges. steht nicht mehr jedem zur Verfügung --> Marx: "Entfremdung in vertikaler Hinsicht" - Arbeiter produzieren Paläste und wohnen in Hütten; --> "Gattungsentfremdung" - Entfremdung einer Klasse in einer Epoche
- Weber: Abraham (als Vertreter der archaischen Lebensweise) hat noch den gesamten Lebenskreislauf erlebt

[Bei undifferenzierten Ges. kann ein Mensch Repräsentant für die gesamte Ges. sein --> in mod. Ges. geht das nicht. Wenn man etwa eine beliebige Person am Bahnhof anspricht und sie soll die Ges. beschreiben, bekommt man ein sehr spezielles Bild.]

[Schiller: Ästhetische Erziehung des Menschen: In der Antike war noch jeder Mensch ein Mirkokosmos des Makrokosmos]

[Humboldt: Durch Bildung soll das Wesentliche der Kultur wenigstens noch vermittelt werden }von dieser Idee sind wir heute weit entfernt]

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(2.) Handlungen (siehe Post 24.4.06)

- diskrete Einheiten und Ereignisse (Anfang u. Ende vorhanden)
- soziale Bestimmung nötig, was eine Handlung ist
--> Für Handlungen stehen Bezeichnungen bereit
--> Handlungen sind Kommunikationsresultate

- Handeln ist kontinuierlich - ein ununterbrochener Strom (man "handelt" eigentlich immer)
- In der Soziologie ist die Handlung als solche bestimmt und mit Motivation versehen (viele Bewegungen / Tätigkeiten die Menschen ausführen, werden nicht als Handlung bestimmt, bspw. Atmen) (es sei denn sie werden dann doch als solche bestimmt; bspw. ein Schauspieler im Theater atmet besonders deutlich)

- VERSTEHEN: Selbstverständlichkeit der Verständlichkeit
--> könnte allem zugrunde liegen, aber in der Regelist wohl nie ganz klar, was im Kopf des anderen vorgeht --> es entstehen VERSTEHENSFIKTIONEN

- wissen um Nichtwissen -> wohltätige Ignoranz -> simuliert Verstehen

- das Verstehen -- was verstehen}nur begrenzt erforderlich um Handlungsfolgen ablaufen zu lassen

- Handlungen beziehen sich aufeinander und wir müssen sie im Verweisungszusammenhang sehen, um sie zu verstehen
- wir werden nicht verstanden -> dennoch halten wir Missverständnisse für Ausnahmestörungen -> Allerdings fällt das meiste Missverstehen als Störungen gar nicht auf, weil wir Verstehen unterstellen
- Abweichendes Verhalten = Auffallendes, störendes Verhalten

[Fremde fallen auf, weil der Sinn ihrer Handlungen nicht verstanden wird]

- Kontexte --> sind durch dazugehörige Handlungen definiert} def. wie sie aufeinander verweisen
-SITUATIONEN -> Interpretationsmuster für Handlungen
Funktionelle Ausdifferenzierung: Ausdifferenzierung von Situationen u. Handlungen in Kontexten -> Wilhelm Dilthey bringt das Beispiel:

>Professor schreibt Buch< }das ist die Handlung im Modus physikalischer Beobachtung - aber wie beobachtet man es sozial?! --> im wissenschaftlichen Kontext: verstehen des Buches, als wissensch. Beitrag zur Forschung
--> im ökonomischen Kontext: Prof. will sich mit Buch etwas dazuverdienen
--> im romantischen Kontext: Prof. will erotischen Zugewinn durch das Buch, dass auf dem Nachttisch hübsch platziert, Eindruck schindet
--> im bürokratischen Kontext: ein verbeamteter Prof. muss(!) schreiben

<-- wir sehen, die Handlung ist nur im physischen Kontext gleichbedeutend. -> im Verstehenskontext nimmt sie diverseste Möglichkeiten an
-> von Verbrechen bis Geldmaschine vieles möglich

-> Was ist der typisch gemeinte Sinn von Handlung in Ges.?
--> Je ausdifferenzierter die Ges. -> desto größer die Interpretationsmöglichkeiten
-> (Gruppen) werden durch (Handlungsketten), (Situationen) ersetzen (Menschen)
-> statt gruppenspezifisches Verhalten u. Solidaritätsformen -> Rollen u. Positionen
-> Allianzen zwischen Menschen vs. Koordination von Institutionen
-> Rollen kann man völlig von Menschen abstrahieren --> d.h. NICHT, dass es nicht mehr darauf ankommt, wer die Rolle ausfüllt

[Bspw. X hat die Rollen (1) Dackelvereinsvorsitzender (2) Vater (3) Professor --> Betrachtet werden die Rollen, nicht der gesamte Mensch (was X auf der Toilette macht, was er träumt und von wem, ist außenvorgelassen, gehört aber zum Menschen dazu)]

-> Institutionen: Verknüpfungen von Rollen und Positionen
-> Zeitfaktor: Manche Rollen werden synchron eingenommen; Mehrere Rollen gleichzeitig innehaben, aber zu unterschiedlichen Zeiten aktivieren

(a)-> Welche Möglichkeiten synchroner Möglichkeiten gibt es?
(b)-> Welche Möglichkeiten diachroner Rollenkombinationen gibt es?

(a)und(b) sind keine festen Größen, sondern wandelnde Faktoren; beides sind Indikatoren für Faktoren der sozialen Ausdifferenzierung

Rollen & Positionen --} sind gebündelt zu...
--> Institutionen
--> sozialen Personen (gleiche Rollensatzvorkommen ermöglichen gleiche soziale Personen in Gesellschaft)

Montag, April 24, 2006

24.4.06

Differenztheoretische Perspektive

moderne Gesellschaften sind differenzierte Gesellschaften. Das in ihnen eine bestimmte Differenzierungsform vorliegt, dass ist soziologischer Konsens. Strittig ist jedoch was für eine.

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Man kann 3Phasen in der gesellschaftlichen Entwicklung unterscheiden:

(1.Phase) segmentäre Gesellschaftsformen

Marx: Urkommunismus
Tenbruck: primitive Gesellschaften

--> es liegen in ihnen keine Ausdifferenzierungen und nur rudimentäre Herrschaftsverhältnisse vor

(2.Phase) stratifikatorische Gesellschaften

Marx: Industriegesellschaft
Tenbruck: Hochkulturen

--> ständisch organisierte Herrschaftsschichten (überlokal)
--> Anschöpfung lokaler Überschüsse
--> zentrale Herrschaft
--> Schrift, Kultur etc. vorhanden
--> erste Ausdifferenzierungen
--> über reine Interaktion hinausgehende Beziehungen

3.Phase) moderne Gesellschaft

--> sehr hohe Rollendifferenzierung
--> verselbstständigung der großen Funktionssysteme (Recht, Wirtschaft, Religion etc.)
-->unterschiedliche, systemspezifische Systemmodi der Systemreproduktion

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Zunächst ist die Frage zentral, was die Letzteinheiten von Gesellschaft ist? Dabei wird die Frage in verschiedenen soziologischen Theorien unterschiedlich beantwortet.

Mit Letzteinheit ist das Element gemeint, ohne dessen Einheit Gesellschaft nicht möglich wäre. Dass es für Gesellschaft das Letztelement darstellt heißt natürlich nicht, dass es unter anderen Gesichtspunkten noch weiter zerlegbar wäre.

4. Beispiele:

(1.) Menschen (wären noch in Hirn, Darm, Nieren etc. auflösbar - aber es gibt keine Theorie die behauptet, für Gesellschaft müssten mindestens Nieren zur Verfügung stehen)

--> Bsp. für Vertreter: Ellias, Gehlen, Bourdieu
--> Ges. Einheiten = Kombination von Menschen
--> Gehlen: Soziologie als Anthropologie
--> Frage: Warum Mensch? Und nicht Tier?
--> Dem Menschen wird besonderes, spezifisches zugerechnet
---> Gehlen: Mensch als Kulturwesen --> kein reines Instinktwesen mehr
---> menschliches Triebverhalten ist überformt durch Kultur. Bspw. menschliches Sexual- oder Nahrungsverhalten ist nicht ausschließlich aus dem Trieb erklärbar.

[Bspw. Missionarsstellung als von spezieller Berufsgattung spezifisch ausgeführte Sexualpraktik]-->[missionierte Naturvölker empfanden diese Stellung, weil unbekannt, als fremdartig/neu/interessant]

---> Mensch als Kulturwesen Einheit in dem Sinne, dass er Adressat kultureller Zuschreibungen ist
--> Differenzierung über verschiedene Kulturen zu Einheiten
---> wie komplex sind einzelne Kulturen?
---> welche Rollen gibt es? Wie sind sie qualitativ und quantitativ vorhanden?

--> Wenn eine Ges. so viel Komplexität erreicht, dass ein Mensch nicht mehr alle möglichen Rollen übernehmen kann...

[d.h. es gibt keine reziproke Rollenverteilung mehr. Eine solche bestände darin, dass man, auch wenn man eine bestimmte Rolle (bspw. MANN) belegt, man auch / noch eine andere (bspw. FRAU) übernehmen könnte, wenn man wollte / sollte.]

...dann entsteht essentielle vs. existentielle Differenz.

essentielle Differenz: Menschen sind in ihrem Wesen wenig unterschiedlich (alle sterben)

existentielle Differenz: in ihrer Existenz sind die Menschen uneinholbar individuell (jeder stirbt seinen eigenen Tod)

[Heidegger: Existenzielle Dimension Merkmal der Zivilisation; Heidegger: Der Tod ist unvertretbar / nicht abtretbar - man kann nicht für jemand anderen sterben; --> Existentielle Differenz aber nicht nur bei Tod, sondern bei allem gegeben: Beichte etwa hat zum Gegenstand, die existentielle Jemeinigkeit]

--> Die existentielle Dimension ist nicht erst seit der Moderne vorhanden. In Europa etwa gab es eine unterschiedliche, existentielle Sündenlage (<--innerlich) bei essentieller Schichtlage (<--äußerlich). Könige waren gleich unter Königen, Bauern unter Bauern, aber jeder für sich hatte sein eigenes Sündenregister. --> Ges. wird eingebaut in eine anthropologische Konstruktion
--> Gruppentheorie: In Gruppen tauchen Menschen als Plurale auf --> Ges.en sind verschieden in der Verschiedenheit ihrer Gruppenzusammensetzung + Gruppen befassen sich mit unterschiedlichen Dingen

[Schütz: "Sinnprovinzen" --> können logisch von Gruppen in denen sie realisiert werden betrachtet werden. --> Bsp. Schach: Sinn lässt sich von der aktiven Form in der er produziert wird trennen und darüber nachdenken; --> Sprache ist zu trennen von den Menschen die sie sprechen - obwohl sie nur von Menschen gesprochen werden kann]

(2.) Handlung

--> Bsp. für Vertreter: Weber. Weber unterscheidet Handlung (Sinnhaft) vs. Verhalten (auch unmotiviert möglich)
--> klar ist, dass es ohne Menschen keine Handlungen gäbe, aber für die Soziologie wären Handlungen hier das Interessanten, das Letztelement, das Nicht-mehr-aufzubrechende ("eine Sinneinheit")

(3.) Erwartungen

--> Auch der frühe Luhmann rekurrierte noch auf Handlung (unter dem Aspekt der Erwartung)

[Handlung bei Weber: Weil über Handlung kommuniziert werden muss, damit sie mit Sinn verbunden werden kann, müsste man eher nach sozial konstituierten Erwartungsdefinitionen Ausschau halten]

(4.) Kommunikation

--> Erwartungen werden kommunikativ erzeugt. Das wird spätestens bei Verletzungen von Erwartungen deutlich, wenn die Verletzung kommunikativ aufgerollt wird.

[Luhmann: Nur über Kommunikation kann Handlung als Handlung festgelegt werden. Zudem kann man auch alleine handeln. "Soziale" Handlungen können dagegen diverseste Bedeutungen symbolisieren]

--> der späte Luhmann: Handlung als Intentionszuschreibung; Hr.Hahn sagt "Guten Tag" -> man unterstellt (mindestens), dass Hr.Hahn das gesagt hat (warum auch immer - ob er mich ärgern oder erfreuen will), aber diese Unterstellung wird zur Handlungsunterstellung / Handlungszuschreibung; Hr. Hahns Herzschlag dagegen wird NICHT intentional als Mitteilung verarbeitet

Sommersemester 2006

Es besteht nun die Möglichkeit im Seminarraum C9, Montag und Dienstag von jeweils 12.145 - 13.00 Uhr bei Herrn Prof. Alois Hahn die Vorlesung "Soziale Differenzierung" zu hören.
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Sie ist eigentlich die Fortsetzung der im Wintersemester 0506 gehaltenen Vorlesung "Einführung in die Systemtheorie". Doch er hat heute, in der ersten Sitzung, angekündigt, die Vorlesung so zu halten, dass man sie auch ohne ihre Vorgängerin versteht.
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Ich werde im Laufe der Woche meine Mitschriften abtippen und sie hier veröffentlichen.
Wer Interesse an einer Mitschrift von der Wintersemestervorlesung hat, kann sich bei mir über ein Kommentar mailden. Ich sende sie dann als Word Dokument zu.
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Selbstverständlich übernehme ich keine Gewähr für die Vollständigkeit (das sowieso nicht!) und die Richtigkeit des hier veröffentlichten. Aber ich freue mich natürlich über Korrektur- und Verbesserungshinweise.
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in this way..... go on.....